Rahmenprogramm

Ein vielfältiges Rahmenprogramm regte an, das Thema der Summerschool 2017 weiterzudenken und in anderen Kontexten zu erfahren. Es wurde gelesen, diskutiert und gefeiert. Doch neben einer intensiven Studienzeit wollten wir den Studierenden auch sonst alles ermöglichen, was es zu einer wunderbaren Zeit braucht. Im Rahmenprogramm lag die Möglichkeit, der Diversität der Studierenden und ihrer Studiengänge im Besonderen Rechnung zu tragen. Hier konnte der Platz sein, an dem das Thema der Summer School weitergedacht und auch in die Realität zurückgebunden ­werden konnte. Hier konnten neue Denkkollektive abseits der Seminare entstehen.

Durch die Kooperation mit R2017 konnten alle Teilnehmenden die Weltausstellung in Wittenberg besuchen wie die Ausstellung »Luther und die Avantgarde« im alten Wittenberger Gefängnis, das 360° Panorama zu Luthers Welt im Jahr 1517 von Yadegar Asisi sowie alle anderen Veranstaltungen im Rahmen des Reformationsjubiläums. All diese Veranstaltungen konnten selbstständig besucht werden, wobei einmal pro Woche auch das Team der Summer School verschiedene Gruppenbesuche anbot. 

Rahmenprogramm Summer School 2017

Allabendlich wurde abwechselnd von Teilnehmerinnen, Seminarleiterinnen und dem Team der Summer School ein kurzer Impuls am Abend (MuTe – Musik und Texte) angeboten. MuTe machte still und besinnlich, aktiv und inspirierend dem Tag ein Ende. MuTe war für alle da, die nach einem vollen Tag zur Ruhe kommen wollten. Die Besonderheit lag in der ­Offenheit des Formates, so wurde jedes MuTe zu etwas ganz Eigenem und Musik und Texte waren mal traditionell religiös geprägt, mal innovativ. 

Drei Summer-School-Donnerstage standen im Zeichen der Tischreden. Mit unterschiedlichsten Verantwortungsträgerinnen aus allen Feldern der Gesellschaft wie bspw. Heinrich Bedford-Strohm (Vorsitzender des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland), Christopher Schuller (Deutsches Institut für Menschenrechte, Berlin), Felix Wittmann (Konzeptwerk Neue Ökonomie, Leipzig) u. v. m. kam man bei Wein, Wasser, Saft und Brot auf Augenhöhe ins Gespräch. 

Rahmenprogramm Summer School 2017

Jeden Mittwoch sowie an Freitagen war ein seminarfreier Nachmittag vorgesehen. Die naturräumliche Einbettung Wittenbergs konnte man fast jeden Freitag per Fahrrad oder Kanu erleben. Unter dem Motto »Rauskommen, bewegen, Natur erleben« wurde Wittenbergs Umgebung auf dem Elberadweg oder gleich auf der Elbe selbst erkundet. Die sommerlichen Temperaturen ließen natürlich insbesondere die Kanufahrten zu einer der Ver­lockungen der Woche werden.

Und manchmal reicht es eben immer noch nicht. Wir müssen hinaus. Weiter denken, weiter forschen und sehen, was die Welt so macht. Deshalb wurden drei weitere Exkursionen in die fernere Um­gebung Wittenbergs angeboten, bei welchen wir unsere Parallelen und Differenzen bei Utopie, Geschichte oder neuen Künstlichkeiten entdecken durften.

Die ersten drei Wochen konnten sich die Studierenden nach Dessau auf die Spuren des Bauhauses in Vergangenheit und ­Zukunft begeben. In der sogenannten Stahlhaus-Siedlung findet ein kleines expositorisches Experiment statt: smart materials satellites. In Zusammenarbeit mit der kunsthochschule weißensee wird hier gemeinsam mit den Besuchenden »smartes« Material untersucht: Material mit Erinnerungsvermögen, mit Gefühl oder nahezu formlos. Meist entstanden als Nebenprodukte der Forschung, haben diese Materialien erstaunliche Eigenschaften, doch der Sinn ihres Wesens ist bisher unbestimmt.

Rahmenprogramm Summer School 2017

Andere wiederum begleiteten uns auf die Exkursion nach Leipzig. Im umtriebigen Leipziger Westen lernen wir selbst organisierte und ermächtigende Strukturen kennen. Die »Autodidaktische Initiative« versteht sich als eine Plattform für freie Bildung, Philosophie und Intervention. Ein paar Freunde haben hier einen Raum geschaffen, der so niederschwellig wie möglich ist und zur freien Teilhabe einlädt. Hier finden z. B. Lesekreise, Sprachkurse, ein Fotographie-Workshop oder die Erwerbslosen-Sprechstunde statt. Alle könne vorbeikommen und noch viel wichtiger: Alle können etwas beitragen, indem sie ihr Wissen mit ihren Mitmenschen teilen. Nadine erklärt uns wie selbst organisierte Strukturen funktionieren, wie man sie finanzieren kann und wie Stabilität entstehen kann. Um die Ecke liegt die »AnnaLinde«. Diese Brache fanden vor ein paar Jahren drei Menschen, die Leipzig auf der Suche nach Freiraum durchstreiften. Hier gründeten sie zunächst einen Gemeinschaftsgarten, ein blühendes Idyll mitten in der Großstadt. Sie selbst lernte mit der Anlage dieses Gartens am meisten: von der Pflanzenphysiologie über Stoffkreisläufe bis zu Organisationsstrukturen. Auch sie teilen dieses Wissen mit ihren vielen ­Besuchern in Workshops oder beim gemeinschaft­lichen Kochen in der Gartenküche. Heute betreiben sie eine multi­funk­tionale urbane Landwirtschaft, zu welcher auch eine große Gärtnerei gehört.

Rahmenprogramm Summer School 2017

Die zwei zahlenmäßig größten Exkursionen führten uns ins nahezu unbekannte Torgau. 50 km südöstlich von Wittenberg gelegen, findet man dort neben der Grabstätte Katharina von ­Boras, der ersten von Luther geweihten Kirche und einer eingehend kuratierten Ausstellung im ehemaligen Jugendwerkhof etwas nahezu Unerwartetes: die Torgauer Bären. ­Zurück in Wittenberg hörte man plötzlich an allen Orten Menschen über Bären sprechen. Damit wurde ­Torgau für uns zu einem Teil des Ensembles seltsam schöner Begebenheiten. Die Phänomene: meist zu finden außerhalb des Erwartbaren. Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass ­Torgau durch seine historische Dimension, ins­besondere durch den ehemaligen Jugendwerkhof, in ganz besondere Weise Katalysator für eine Vielzahl von Diskursen zu Machtstrukturen und Machtmissbrauch in all unseren Herkunftsländern wurde.


Jana Popp

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