3D Verfasste Vielfalt

 
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 Achtung: neuer Seminarzeitraum!

9. August - 13. August 2017

Geöffnet für Studierende und Promovierende
mit sehr guten Deutschkenntnissen

 Kreis3 Open to students and doctoral students
with sufficient German skills

Seminarsprache: Deutsch

 

  Course language: German

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Verfasste Vielfalt – Die Macht der Sprache

  Constitutional diversity – the power of language

Nicht durch Gewalt ist zu leiten, sondern durch das Wort („sine vi, sed verbo“), so lautete das Motto, mit dem Martin Luther 1522 durch Predigten den Aufruhr des radikalen reformatorischen Flügels in Wittenberg befriedete. Wortgewaltige Menschen wie Luther oder Martin Luther King bekommen Aufmerksamkeit, können Welten verändern. Wo aber findet sich die Grenze zwischen Wortgewalt und Gewalt mit Worten? Hat Luther nicht auch Unsägliches über Juden und ‚Hexen‘ geschrieben? Wann ist es Zeit für ein klares „Mir reicht‘s!“? Und wie wollen wir heute in der Zeit von Tweets und der scheinbaren Anonymität des Internets kommunizieren? Diesen Fragen gehen wir u.a. anhand einer wissenschaftlichen Studie zum Thema „Hate Speech“ auf den Grund. Neben eigenen Erkundungsgängen diskutieren wir zudem mit Lann Hornscheidt über die Macht der Sprache und die Grenzen des sprachlich Erträglichen: Kann es eine Sprache jenseits der Zweigeschlechtlichkeit geben oder tun wir der Sprache damit Gewalt an? Über die Wirkung Ihrer Worte (z.B. ‚Nichts ist gut in Afghanistan‘) wollen wir im Seminar schließlich mit Margot Käßmann sprechen und auch erfahren, wie sie als öffentliche Person und Projektionsfigur mit sogenannten Shitstorms umgeht. Interdisziplinär und interreligiös will das Seminar die reformatorische Erkenntnis von der Wirkung des Wortes neu zu Bewusstsein bringen und Perspektiven entwickeln für die sprachlichen Herausforderungen unserer Zeit.

 

Leadership should be not by force but by the word (sine vi, sed verbo): this was the motto with which Martin Luther in 1522 in his sermons pacified the uprising of the extreme Reformational wing in Wittenberg. Eloquent speakers like Luther or Martin Luther King gain attention and can change worlds. But where so we draw the line between powerful words and power with words? Didn’t Luther also write unspeakable things about Jews and ‘witches’? When has the time come for a clear ‘I’ve had enough!’? And how do we want to communicate today in an age of tweets and the apparent anonymity of the internet? We will sound out these questions with the aid of an academic study on “hate speech”. Besides our own explorations we will also talk with Lann Hornscheidt about the power of language and the limits of the linguistically tolerable. Can there be a language beyond the binary gender distinctions in society or would this mean doing harm to language itself? Finally we want to talk with Margot Käßmann about the effect of her words (e.g. “Nothing is good in Afghanistan”) and also hear how she handles “shit storms” as a public figure and target for projection. The seminar will seek to revive awareness of the Reformation understanding of the effect of the Word and develop prospects for the linguistic challenges of our time.


Die Seminarleitung verantwortet das Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie.

Margot Käßmann ist Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum 2017. Sie kann ganz persönlich über den Umgang mit Hass-Mails berichten.

Lann Hornscheidt hat eine Professur für Gender Studies und Sprachanalyse am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien an der Humboldt-Universität zu Berlin. Hornscheidt kritisiert die zweigeschlechtliche Grundkonzeption der Gesellschaft und deren Vorstellungen von Normalität und Kategorisierbarkeit 

 

The course will be organised by the EKD’s Study Centre for Gender Issues in Church and Theology.

Margot Käßmann is the Special Envoy of the Council of the Evangelical Church in Germany (EKD) for the Anniversary of the Reformation 2017. She can report personally on how she handles hate mails.

Lann Hornscheidt has a professorship in Gender Studies and Language Analysis at the Centre for Transdisciplinary Gender Studies at Humboldt University in Berlin. Hornscheidt criticises the basic gender binarism of society and the latter’s ideas about normality and allocation to categories