2A Recht und Erinnerung

 
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31. Juli - 6. August 2017

Geöffnet für Studierende und Promovierende
mit sehr guten Deutschkenntnissen

 Kreis3 Open to students and doctoral students
with sufficient German skills

Seminarsprache: Deutsch

 

  Course language: German

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Recht und Erinnerung – Zur Rolle des Rechts im Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit

  Law and remembering – The role of law in dealing with the National Socialist past

Die Gespenster der Vergangenheit waren in der frühen Bundesrepublik präsent, wo man nur hinsah; Kontinuitäten mit nationalsozialistischen Denk- und Organisationsmustern gingen einher mit dem Wunsch nach einem Bruch mit eben diesen – ob in Form eines „Schlussstrichs“, von „Bewältigung“, „Aufarbeitung“ oder „Erinnerung“. Das schillernde Verhältnis zur Vergangenheit zeigte sich besonders im Recht. Personelle Kontinuitäten waren hier besonders intensiv und gesellschaftlich besonders wirkmächtig. Zugleich war das juristische Feld der Ort, an dem nach 1945 so grundlegende Fragen auf der Tagesordnung standen wie Recht und Gerechtigkeit, Schuld und Strafe.

Das Seminar wird den Kontinuitäten und Brüchen in der juristischen Zunft nachgehen und ihre Auswirkungen diskutieren. Es wird dabei zunächst einen Blick in die Rechtsphilosophie der Nachkriegszeit geworfen und gefragt, wie das Recht, nach aller Verstrickung, nun konzipiert wurde. Die in den 1950er Jahren intensiv geführte Debatte um die Anerkennung des Widerstandsrechts wird hier reiches Anschauungsmaterial bieten. Schließlich wird unter Hinzuziehung von Audio- und Videomaterial Einblick in ausgewählte NS-Prozesse der 1960er Jahre genommen und analysiert, wie Recht und Unrecht, Schuld und Unschuld ausgehandelt wurde. Dabei wird immer wieder das Wechselspiel zwischen innerjuristischen Diskursen und gesellschaftlicher Erinnerungspraxis betrachtet. Auf diese Weise gibt das Seminar nicht nur Einblick in konkrete Rechtsgeschichte, sondern beleuchtet auch ihre Rolle in der bundesrepublikanischen Erinnerungsgeschichte. Es zielt darauf, die Möglichkeiten und Grenzen des Rechts bei der Aufarbeitung der Vergangenheit auszuloten und die Bedeutung, die das Recht heute für die Bewältigung von Unrecht haben kann, kritisch zu diskutieren.

 

The ghosts of the past were present in the early Federal Republic of Germany wherever you looked; continuities with Nazi thought and organisational forms went hand in hand with the wish to break with them – whether in the form of “drawing the line”, “overcoming”, “working through” or “remembering” the past. The ambivalent relationship was particularly manifest in the law. Many people in the legal system remained in place and were socially particularly effective. At the same time, after 1945 the field of law was the arena for tackling such fundamental questions as law and justice, guilt and retribution.

The course will trace the continuities and breaks in the legal profession and discuss their repercussions. We will first glance at post-war legal philosophy and ask about its concepts of law, after all the entanglement with National Socialism. The intensive debate in the 1950s and the recognition of the right of resistance will offer rich material for study. Finally, using audio and video material, we will gain insight into selected Nazi trials of the 1960s and analyse the way in which law and wrongdoing, guilt and innocence were negotiated. In doing so, we will regularly look at the interaction between internal legal debates and the societal practice of remembering. In this way the seminar will not only give an insight into concrete legal history as such, but also shed light on its role in Germany’s history of remembrance. The aim is to sound out the possibilities and limits of law when working through the past, and to critically discuss the significance of law today for when it comes to overcoming wrongdoing.

Dr. Lena Foljanty ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte und freie Mitarbeiterin am Fritz-Bauer-Institut. Sie hat sich in ihrer Dissertation und in weiteren Arbeiten intensiv mit Kontinuitäten und Brüchen im Rechtsdenken nach 1945 befasst und das Recht auf seine Möglichkeiten, zu einer Erinnerungskultur beizutragen, befragt. Sie arbeitet derzeit
u.a. gemeinsam mit dem Zeithistoriker Dr. David Johst an einer Edition der gesammelten Aufsätze Fritz Bauers.

Externe Referenten: Dr. David Johst, Berlin, Prof. Dr. Raphael Gross, Leipzig (angefragt).

 

Dr. Lena Foljanty is a lecturer at the Max Planck Institute for the History of European Law and a collaborator at the Fritz Bauer Institute. In her dissertation and other studies she has working intensively on the continuities and breaks in legal thinking after 1945 and investigated the potential of law to contribute to a culture of remembrance. She is currently working with contemporary historian Dr. David Johst on an edition of collected works of Fritz Bauer.

External speakers: Dr. David Johst, Berlin, Prof. Dr. Raphael Gross, Leipzig (invited).

 

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